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HAIKU und mehr (Erlebnisse im Ägäischen Licht Kretas)



Die Lefka Ori ragen als mächtiges Urgestein im Westen Kretas empor. Ihre kahlen, meist kegelförmigen Häupter recken sich oft weit über zweitausend Meter hinauf in das blaue Blau des Himmels. Wer in der flirrenden Sommerhitze nach oben blickt, wird manchmal Zeuge eines erhabenen Schauspiels: Getragen von unsichtbaren Aufwinden kreisen dort mächtige Schwingen mit bis zu drei Metern Spannweite – Könige der Lüfte, die lautlos ihre Bahnen ziehen.

Lämmergeiers Flug
Sein flügelweites Segeln –
Der Puls des Sommers


Im Frühling explodiert Kreta in einem überbordenden, beblühten Grün – ein Rausch für die Augen. Doch unter den ersten unbarmherzigen Küssen der Sommersonne verblasst diese Pracht im Zeitraffer. Die Landschaft zieht sich quasi um und hüllt sich bald nur noch in erdige Braun- und staubige Grautöne. Wenn dann trockene Sommergewitter grollend über das verdorrte Land ziehen, liegt eine Angst in der Luft – die ständige, feurige Gefahr, die die Insel im Sommer in Atem hält.

Grashalme im Wind
Farbskala der Trockenheit –
Gewitterwolken

Wer an Kreta denkt, verliert sich sogleich im Traum von goldener Sonne, feinem Sand und einem unendlich blauen Meer. Doch die Idylle trügt, denn die sanften Fluten können im Nu in wilde Raserei umschlagen. Wenn an den bewachten Stränden die roten Flaggen wehen, rufen sie ein striktes Verbot aus. Wer den Respekt vor den Kräften der Natur verliert und sich dennoch in die Brandung wagt, findet sich schnell im Griff der Strömung wieder – und fordert das Schicksal und die Wachsamkeit der Retter heraus.

Baden verboten
Wellen steigen zerberstend –
Ein Rettungsschwimmer


Es heißt, der Mond webe auf Kreta einen ganz besonderen Zauber. Ob er nun als schmale, liegende Sichel am Horizont ruht, sich als seltener Blue Moon zeigt oder im mystischen Rot eines Blutmonds erglüht – er zieht die Menschen in seinen Bann. Es zieht die Suchenden hinab ans Ufer, wo sich das silberne Licht im Rhythmus der Wellen bricht und den Moment in reine, zeitlose Romantik taucht.

Mondlichtgeflüster –
Die Nacht zwischen den Sternen
Ist heute heller


© Petroes-blogpoesie

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